Warum frühes Erkennen so wichtig ist
Pferde zeigen Schmerzen oft nur leise. Ein Pferd, das die Hälfte seines Frühstücks stehen lässt, sich auf der Weide von der Gruppe absondert oder ungewöhnlich in der Box steht, will Ihnen womöglich etwas sagen. Wer diese Zeichen als Erster bemerkt, ist meist nicht der Tierarzt, sondern der Pfleger, der dieses Pferd jeden Tag putzt, füttert und führt.
Im Stall müssen deshalb zwei Dinge geklärt sein: Alle wissen, wie „normal“ aussieht, und alle wissen, wen sie anrufen und was sie notieren, wenn etwas nicht stimmt. In diesem Artikel geht es nicht darum, Diagnosen zu stellen, sondern darum, Beobachtung und Erstreaktion einheitlich zu machen.
Zuerst: die Normalwerte Ihres Pferdes kennen
Um zu beurteilen, ob ein Wert erhöht ist, müssen Sie wissen, wie das Pferd an einem ruhigen Tag aussieht. Wer Temperatur, Puls und Atmung jedes Pferdes in Ruhe ein paar Mal misst und notiert, hat im Ernstfall eine Vergleichsbasis. Es lohnt sich, dass Pfleger diese Messungen mit dem Tierarzt oder einem erfahrenen Teammitglied praktisch üben.
| Wert | Typischer Bereich | So wird gemessen |
|---|---|---|
| Temperatur | Etwa 37,5–38,5 °C | Digitales Fieberthermometer, rektal |
| Herzfrequenz | Etwa 28–44 Schläge/Min. | Arterie unter dem Unterkiefer oder Stethoskop |
| Atmung | Etwa 8–16 Atemzüge/Min. | Flankenbewegungen zählen |
| Darmgeräusche | Regelmäßiges Gluckern auf beiden Seiten | Ohr oder Stethoskop an die Flanke |
| Schleimhäute | Rosa und feucht | Lippe anheben und ansehen |
Messen Sie unter gleichen Bedingungen, mit ruhigem Pferd und nicht direkt nach der Arbeit. Entscheidend ist weniger eine einzelne Zahl als die Abweichung vom eigenen Normalwert des Pferdes.
Frühe Anzeichen einer Lahmheit
Eine deutliche Lahmheit sieht jeder. Schwierig ist es, die feinen Veränderungen zu erfassen, die ein Reiter vielleicht mit „heute etwas unwillig“ beschreibt. Achten Sie auf:
- Nicken im Trab: Der Kopf hebt sich bei einem Tritt und senkt sich beim anderen
- Ständiges Schonen eines Beins in der Box oder häufiges Gewichtverlagern
- Mehr Wärme als sonst an Bein oder Huf, eine deutlich fühlbare Pulsation oder Schwellung
- Kürzere Tritte in Wendungen, auf hartem Boden oder bergab
- Ungewohnter Widerstand unter dem Sattel oder Unwilligkeit auf einer Hand
- Unwilligkeit, den Huf zum Auskratzen oder für den Hufschmied zu geben
Tierärzte bewerten Lahmheiten meist auf einer Standardskala, ein verbreitetes Beispiel ist die AAEP-Skala von 0 bis 5. Statt im Stall eine Note zu vergeben, beschreiben Sie klar, was Sie sehen – das erleichtert dem Tierarzt die Arbeit: welches Bein, welche Gangart, welcher Boden und seit wann.
Was im Stall bei einer Lahmheit zu tun ist
- Arbeit beenden und das Pferd ruhig in die Box bringen.
- Beine und Hufe kontrollieren: eingeklemmter Stein, verlorenes oder verschobenes Eisen, Wunde, Schwellung oder Wärme?
- Steckt ein Nagel oder anderer Fremdkörper im Huf, nicht selbst herausziehen; Pferd ruhig halten und Tierarzt rufen. Die Lage kann für die Untersuchung wichtig sein.
- Temperatur messen und Beobachtungen mit Uhrzeit notieren; wenn möglich ein kurzes Video drehen.
- Tierarzt anrufen und schildern, was Sie gesehen haben. Keine Medikamente geben, bis er es anordnet.
- Betrifft das Problem Eisen oder Huf, den Hufschmied nach Absprache mit dem Tierarzt hinzuziehen.
Hängen Sie die Notfallnummern von Tierarzt, Hufschmied und Betriebsleitung gut sichtbar für alle im Stall auf. Ein Pfleger in der Spätschicht, der nicht erst überlegen muss, wen er anruft, spart Minuten.
Frühe Anzeichen einer Kolik
Kolik ist keine einzelne Krankheit, sondern der Oberbegriff für Bauchschmerzen – von leichtem Unwohlsein bis zu lebensbedrohlichen Zuständen. Im Stall lässt sich das nicht unterscheiden, deshalb ist schon ein Verdacht Grund genug, den Tierarzt zu rufen.
- Frisst nicht oder lässt Futter liegen, trinkt nicht
- Schaut sich nach dem Bauch um, tritt gegen den Bauch, legt sich wiederholt hin und steht auf, wälzt sich
- Unruhe, Scharren, langes flaches Liegen
- Schwitzen, erhöhter Puls und beschleunigte Atmung
- Weniger oder kein Kotabsatz, leisere Darmgeräusche
- Streckt sich wie zum Harnabsatz, ungewöhnliche Haltung
Kolik lässt sich nicht immer verhindern, doch einige Gewohnheiten im Stall senken das Risiko: feste Fütterungszeiten, Futter- oder Heuwechsel schrittweise über mehrere Tage, ständiger Zugang zu sauberem Wasser, reichlich Raufutter und regelmäßige Bewegung durch Weidegang oder Führen. Stehen diese Gewohnheiten in der Pflegerroutine, wissen Sie auch, wer wann was gefüttert hat.
Bei Verdacht auf Kolik
- Sofort den Tierarzt anrufen und Zustand sowie Messwerte durchgeben
- Futter und Heu aus der Box nehmen; beim Wasser den Anweisungen des Tierarztes folgen
- Temperatur, Puls und Atmung messen und mit Uhrzeit notieren
- Festhalten, wann zuletzt Kot abgesetzt wurde und wie er aussah
- Letzte Fütterung, Futterumstellungen und letzte Bewegung notieren
- Dem Pferd einen sicheren Platz geben, an dem es sich nicht verletzen kann; sich selbst nicht in Gefahr bringen
- Vor dem Führen oder anderen Maßnahmen die Anweisung des Tierarztes abwarten
- Keine Medikamente geben, außer der Tierarzt ordnet es an
- Prüfen, ob Transporter und Fahrer für eine mögliche Überweisung in die Klinik bereitstehen
Beobachtungen festhalten und mit Equ Crm verfolgen
Im Notfall bleibt wenig im Kopf hängen. Ist aufgeschrieben, was wann gemessen wurde, wann zuletzt Kot abgesetzt wurde und wer was getan hat, kann der Tierarzt besser entscheiden – und Sie sehen später, ob sich dasselbe wiederholt.
In Equ Crm landen Aufgaben wie die tägliche Temperaturmessung, die Kontrolle der gefressenen Futtermenge oder der Hufcheck auf der Aufgabenliste der Pfleger, dem Pferd und der Uhrzeit zugeordnet. Der Pfleger hakt mit einem Tipp ab und hängt Messwert, Foto oder Video als Nachweis an; das funktioniert auch offline und wird synchronisiert, sobald wieder Verbindung besteht. Die verantwortliche Person gibt den Eintrag frei oder schickt ihn mit einer Notiz zurück.
Warnregeln erkennen Situationen wie Fieber zusammen mit Appetitlosigkeit, die Eingabe eines bestimmten Lahmheitsgrades oder einen fehlenden erwarteten Eintrag und lösen eine Warnung der Stufe kritisch, Achtung oder Erinnerung aus. Jemand übernimmt die Warnung, stellt sie zurück oder schließt sie ab, und die richtigen Personen erhalten Benachrichtigungen per Push oder E-Mail. Alle Gesundheitsdaten sammeln sich im Pferdeprofil; Tierarzttermine stehen im Kalender, und Nachrichten mit dem Einsteller bleiben beim jeweiligen Pferd.
Zur vorbeugenden Jahresplanung lesen Sie unseren Beitrag zum Impf- und Entwurmungsplan, oder buchen Sie eine Demo, um die Regeln für Ihren Stall gemeinsam einzurichten.

