Warum die Routine schriftlich festgehalten werden sollte
In den meisten Ställen existiert die Routine nur im Kopf des Stallmeisters. Hat er frei, verschieben sich die Fütterungszeiten, jemand vergisst die Stallbandagen, und das Pferd, das sein Frühstück stehen gelassen hat, fällt erst am Abend auf. Pferde sind Gewohnheitstiere; unregelmäßiges Füttern, wechselnde Weidezeiten und unstete Bewegung zeigen sich im Verhalten ebenso wie in der Verdauung. Eine schriftliche Routine macht die Arbeit unabhängig von einzelnen Personen: Die neue Kollegin und die Wochenendvertretung machen dieselben Kontrollen in derselben Reihenfolge.
Der zweite Vorteil ist die Frühwarnung. Wer jeden Morgen auf dieselben Dinge schaut, bemerkt kleine Veränderungen schnell: Futterreste, ein kaum angerührter Eimer, auffälliger Kot, ein warmer Huf. Die Routine macht aus Beobachtung eine Gewohnheit.
Die Morgenkontrolle: die erste Stunde des Tages
Die Morgenrunde ist die beste Gelegenheit zu sehen, was in der Nacht passiert ist. Ein paar Sekunden Blick in jede Box vor dem Füttern sparen später Stunden. Eine sinnvolle Reihenfolge:
Morgenkontrolle
- Jedes Pferd stehend und in normaler Haltung sehen; liegt eines, beobachten, wie es aufsteht.
- Notieren, wie viel vom Nachtfutter und vom Heu oder der Heulage gefressen wurde.
- Prüfen, ob Eimer und Selbsttränken funktionieren und wie viel getrunken wurde.
- Auf deutliche Veränderungen bei Kotmenge oder -konsistenz achten.
- Die Einstreu auf Anzeichen einer unruhigen Nacht prüfen: zerwühltes Stroh, Boxenlaufen, Schweißspuren.
- Decken richten; verrutschte, kaputte oder nicht zum Wetter passende Decken tauschen.
- Mit der Hand jedes Bein abstreichen: Schwellung, Wärme, neue Verletzungen?
- Morgenfutter nach dem Futterplan jedes Pferdes geben, ohne individuelle Ergänzungsfutter zu vergessen.
Tagsüber: Putzen, Weide, Führanlage und Vorbereitung aufs Training
Nach dem Frühstück bestimmt der Trainingsplan den Rhythmus des Tages. Aufgabe der Pfleger ist es, jedes Pferd pünktlich fertig zu haben und es nach der Arbeit richtig abzukühlen und zu versorgen. Die Tagesarbeit gliedert sich meist in diese Blöcke:
- Misten: Kot und nasse Einstreu entfernen, Stallgasse fegen. Das geht sicherer und schneller, solange das Pferd auf dem Paddock oder in der Führanlage ist.
- Putzen: Kardätsche, Striegel, Mähne und Schweif, Hufe auskratzen. Das Putzen ist zugleich eine Kontrolle von Haut, Muskulatur und Beinen – Verspannungen, Empfindlichkeiten und Wunden fallen hier auf.
- Weide und Führanlage: Welches Pferd mit wem wie lange auf welchen Paddock geht, wird vorher festgelegt. Pferde, die sich nicht vertragen, kommen nie zusammen raus.
- Vorbereitung aufs Reiten: passende Ausrüstung, Gamaschen oder Bandagen, und das Pferd steht bereit, wenn der Reiter es braucht. Danach: trockenführen, abwaschen, Beine kontrollieren.
- Mittagsfutter und zusätzliches Raufutter: Bei Pferden mit Mittagsration die Uhrzeit konstant halten.
Das häufigste Problem tagsüber ist abgerissene Kommunikation: Der Trainer sagt eine Einheit ab, der Pfleger erfährt es nicht, und das Pferd wird umsonst gesattelt oder bleibt in der Box, obwohl es raus sollte. Planänderungen müssen an einer Stelle für alle sichtbar sein.
Abendrunde und Nachtkontrolle
Die Abendrunde sorgt für eine sichere Nacht. Hier wird bestätigt, dass die Arbeit des Tages wirklich abgeschlossen ist.
Abendrunde
- Abendfutter und Raufutter für die Nacht laut Plan gegeben.
- Alle Eimer voll, Selbsttränken funktionieren.
- Decken passend zur Wettervorhersage für die Nacht gewechselt.
- Alles, was tagsüber aufgefallen ist (Schwellung, Wunde, Futterreste), an die verantwortliche Person weitergegeben.
- Boxentüren, Weidetore und Futterkammer verschlossen.
- Elektrische Geräte aus, Stallgasse frei, Feuerlöscher erreichbar.
- Geklärt, wer wann die Nachtkontrolle macht.
Arbeiten abends und morgens unterschiedliche Teams, sollte die Übergabe eigens geplant werden. Ausführlich dazu: Schichtübergabe im Stall.
Wöchentliche und monatliche Aufgaben nicht vergessen
Manche Arbeiten liegen außerhalb der Tagesroutine, machen aber Ärger, wenn sie liegen bleiben. Auch sie gehören in einen Kalender, sonst werden sie wochenlang auf „diese Woche noch“ verschoben.
| Häufigkeit | Aufgabe | Verantwortlich |
|---|---|---|
| Wöchentlich | Komplett neu einstreuen oder Grundreinigung | Pflegeteam |
| Wöchentlich | Sattelzeug und Decken reinigen, auf Reparaturen prüfen | Pfleger |
| Wöchentlich | Bestand an Kraftfutter und Raufutter zählen | Stallmeister |
| Wöchentlich | Weidezäune, Tore und Tränken prüfen | Betriebsleitung |
| In geplanten Abständen | Hufschmiedtermin | Betriebsleitung und Hufschmied |
| Monatlich | Gewicht oder Körpermaße erfassen | Stallmeister |
| Monatlich | Stallapotheke und Haltbarkeitsdaten | Betriebsleitung |
Die Beschlagintervalle hängen vom Pferd, seiner Arbeit und seinen Hufen ab; mehr dazu in unserem Beitrag über Hufpflege und Beschlag.
Aufgaben nachverfolgen: wer hat was wann gemacht – und woher wissen Sie es?
Die Routine aufzuschreiben ist die halbe Arbeit; die andere Hälfte ist zu wissen, dass sie erledigt wurde. Eine Liste am Schwarzen Brett funktioniert die ersten zwei Wochen, dann hakt niemand mehr ab. Ein gutes System beantwortet immer vier Fragen:
- Was ist zu tun? Klare, konkrete Aufgaben pro Pferd (nicht „Bandagieren“, sondern „vorne rechts 20 Minuten kalt abspritzen“).
- Wann? Eine Uhrzeit oder ein Zeitfenster, vor allem bei zeitkritischen Aufgaben wie Medikamentengabe und Fütterung.
- Wer hat es gemacht? Name der Person, die abgehakt hat, und die Uhrzeit.
- Wie wurde es gemacht? Wo nötig ein Foto, Video oder Messwert (Temperatur, Gewicht, Bild einer Wunde) und eine kurze Notiz.
Am Ende des Tages sollte der Stallmeister oder die Betriebsleitung sehen, was ausgelassen oder nur teilweise erledigt wurde, und es bei Bedarf zurückgeben. Es geht nicht darum, Schuldige zu finden, sondern sicherzustellen, dass jedes Pferd die Versorgung bekommen hat, die es braucht.
Die Stallroutine in Equ Crm
In Equ Crm wird, sobald die tägliche Versorgungsroutine eines Pferdes eingerichtet ist, die Aufgabenliste der Pfleger pro Pferd und Zeitfenster erzeugt. Pfleger haken Aufgaben mit einem Tipp auf dem Handy ab und können ein Foto, Video oder einen Messwert als Nachweis anhängen. Stallmeister oder Betriebsleitung geben die Arbeit frei oder schicken sie mit einer kurzen Notiz zurück. Schlechter Empfang im Stall ist kein Problem: Die Häkchen werden offline gespeichert und synchronisiert, sobald wieder Verbindung besteht.
Sie müssen die Listen auch nicht von Grund auf schreiben; der integrierte Katalog enthält 455 Pflegeraufgaben zum Auswählen und Anpassen. Im Profil jedes Pferdes stehen Allergien und „Wichtig zu wissen“-Hinweise ganz oben, neben Futterplan und Ergänzungsfuttern. Mit Warnregeln erfährt die richtige Person schnell, wenn ein Pferd sein Futter stehen lässt oder Fieber hat. Sehen Sie sich das Pfleger-Modul an oder buchen Sie eine Demo – dann richten wir Ihre Routine gemeinsam ein.

